Es war Anfang Mai als mein Onkel mütterlicherseits mal wieder aufgrund einer Motorrad-Tour mehr oder weniger spontan vorbei geschaut hatte. Neben den üblichen Themen rund um Arbeit, Verwandtschaft und die nächste Urlaubsplanung hatte er dieses Mal auch ein Angebot im Gepäck. Bereits im vergangenen Dezember hatte er mehrere Karten für ein Theaterstück erstanden und noch eine übrig, für den Fall dass ich mich der familiären Runde anschließen und gemeinsam mit ihnen zu einer Wochenendunternehmung aufbrechen wollte. Und ich wollte, ohne zu wissen was mich eigentlich erwarten würde.

Die Reise ging vergangenen Samstag ins südbayrische Nest Riedering, wo abseits der kleinen Ortschaft gut versteckt hinter Bäumen, Sträuchern und einem Haus ein weißes Zelt auf einem mit Kies ausgelegten Parkplatz stand, umringt von grünen Wiesen auf denen Kühe im strahlenden Sonnenschein grasten. Dank einer gewissen Fehlkalkulation trafen wir wesentlich früher am Zielort ein als abgesprochen war. Dies erlaubte es, vor der Veranstaltung noch schnell kleinere Snacks und Getränke zu erwerben und auf den Bierbänken vor dem Zelt zu verzehren.

„Mia spuins solang, bis koana mehr kimmt“ (Wir spielen es so lange, bis keiner mehr kommt)

Vorab sei erwähnt dass die Vermarktung eine sehr ungewöhnliche ist. Die Schauspielgruppe führt im Wechsel zwei Stücke auf, eines seit nunmehr über 800 Vorstellungen, das Andere „Gsindlkind“ vor knapp zweiJahren gestartet und in ähnlicher Regelmäßigkeit wie das Stück unseres Besuchs „Da Himmegugga“. Werbung wird praktisch keine gemacht. Die Aufführungen leben von Mundpropaganda und das Zeld steht zu weit abseits der Straße um zufällig gefunden zu werden. Man wolle einfach so lange auftreten, bis niemand mehr komme hies es. Die nächsten freien Veranstaltungen finden sich im November, bei durchschnittlich zwei bis drei Auftritten pro Woche. Wer den Besuch mit mehreren Personen plant, plant besser im Voraus. Von einer solchen Erfolgswelle träumen andere Veranstalter.

Zelt-im-Zelt

Auf den ersten Blick irritiert das im Zelt stehende kleinere Zelt. Und auch die Sitzgelegenheiten wirken ziemlich chaotisch. Doch dies ist beabsichtigt und fließt charmant in das Bühnenstück mit ein.

So klein und unscheinbar sich der Veranstaltungsort auch gibt, so winzig klein und beengt der Raum ist in dem das Publikum dicht an dicht gedrängt sitzt, so ungewöhnlich gibt sich das Bühnenstück. Die beengte Atmosphäre und der chaotische Look wirken wie von der Bühne auf die Zuschauerbänke übertragen. Es kommt tatsächlich der Charme auf, als säße man im kleinen Kämmerlein in dem das Stück spielt. Eine charmante, in dieser Form auch nur selten erlebte Durchbrechung der vierten Wand.

Was bleibt ist ein sehr unterhaltsames Stück, das mit zwei Personen eine spaßige, künstlerische und rührende Geschichte darüber erzählt. einer Leidenschaft nachzugehen. Selbst vor musikalischen Gesangseinlagen hat man nicht zurückgeschreckt.

Leider spiegelt dieses Foto nur unzureichend das liebevoll gestaltete Chaos und die Detailverliebtheit der Kulisse wieder.

Leider spiegelt dieses Foto nur unzureichend das liebevoll gestaltete Chaos und die Detailverliebtheit der Kulisse wieder.

Für weitere Informationen und Eindrücke schaut doch mal auf der Himmegugga-Website der Veranstalter vorbei.